Office Online Server Supportende 2026: 5 Alternativen für SharePoint Server SE
Supportende von Office Online Server am 31.12.2026: fünf Alternativen für SharePoint Server SE im Vergleich: Browseranzeige, Bearbeitung, DSGVO, Kosten.
Von Mustafa Yaylak
· Aktualisiert am 23. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit
Am 31. Dezember 2026 endet der Support für Office Online Server (OOS). Für alle, die SharePoint Server Subscription Edition (SE) im eigenen Rechenzentrum betreiben, stellt sich damit eine konkrete Frage: Was zeigt Word-, Excel- und PowerPoint-Dateien künftig im Browser an? Wir haben die fünf realistischen Alternativen verglichen, mit den Fakten, die für die Entscheidung zählen, den Punkten, die in deutschen Organisationen zusätzlich auf den Tisch kommen, und Links zu den Primärquellen.
Die kurze Antwort
- Dokumente dürfen Ihr Netzwerk verlassen und Sie wollen gemeinsam bearbeiten: Wechseln Sie zu SharePoint Online und Microsoft 365. Das empfiehlt Microsoft, und es ist das größte Projekt.
- Dokumente müssen On-Premises bleiben und Sie brauchen heute schon Bearbeitung im Browser: Prüfen Sie eine Open-Source-Office-Suite wie Collabora Online oder ONLYOFFICE Docs, die per WOPI an SharePoint angebunden werden.
- Dokumente müssen On-Premises bleiben und Ihre Nutzer lesen vor allem: Ein dedizierter Ersatz für Office Online Server wie Office Render Engine nutzt dieselbe WOPI-Bindung auf Windows Server.
- Alle Nutzer haben Office auf dem Desktop und Sie können auf die Browseranzeige verzichten: Entfernen Sie die Bindung und setzen Sie auf die Desktop-Apps.
- OOS ohne Support weiterbetreiben verschafft Zeit, aber keine Sicherheitsupdates.
Was sich am 31. Dezember 2026 ändert
Microsoft nennt das Datum auf der Lebenszyklus-Seite von Office Online Server. Laut offizieller Ankündigung erhält OOS danach keine Sicherheitsupdates, keine Fehlerbehebungen und keinen technischen Support mehr. Microsoft empfiehlt den Umstieg auf Microsoft 365; einen On-Premises-Nachfolger gibt es nicht.
Das SharePoint-Team ergänzt zwei Punkte, die jede der folgenden Optionen prägen:
- Microsoft blockiert OOS in SharePoint Server nach dem Stichtag nicht aktiv, unterstützt es aber in keiner Konfiguration mehr, auch nicht zusammen mit SharePoint Server SE.
- Ohne OOS können Nutzer Office-Dokumente nicht mehr im Browser anzeigen, bearbeiten oder gemeinsam bearbeiten, und Vorschaubilder in Bibliotheken und Suchergebnissen werden nicht mehr unterstützt. Die Office-Desktop-Apps funktionieren weiter.
SharePoint Server SE selbst bleibt. Es folgt der Modern Lifecycle Policy, und laut Microsoft endet der Support nicht vor dem 31. Dezember 2035. Updates erscheinen monatlich, jedes wird ein Jahr lang unterstützt. Die Frage ist also nicht, ob Sie SharePoint SE behalten, sondern was dessen Dokumente darstellt.
Vier Fragen, die die Entscheidung bestimmen
- Müssen Dokumente On-Premises bleiben? Vorgaben zur Datenhoheit, Anforderungen im öffentlichen Sektor oder Kundenverträge beantworten das oft vor allem anderen.
- Bearbeiten Nutzer im Browser, oder lesen sie vor allem? Intranets und Dokumentbibliotheken werden meist weit häufiger gelesen als bearbeitet.
- Wie viel Aufwand und Veränderung ist machbar? Ein Bindungswechsel dauert Tage, eine Tenant-Migration Monate.
- Welche Server können Sie betreiben? Manche Optionen brauchen Linux oder Container, andere laufen auf Windows Server neben Ihrer Farm.
Was in deutschen Organisationen zusätzlich zählt
In Deutschland entscheidet selten die IT allein. Drei Stellen sollten Sie früh einbinden, weil sie einzelne Optionen ausschließen können:
- Datenschutz: Wandern Dokumente in die Cloud, verarbeitet ein Dienstleister personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag. Dafür braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO, und Ihr Datenschutzbeauftragter wird die Übermittlung bewerten wollen. Bleiben die Dokumente in Ihrem Netz, fällt diese Prüfung für die Dokumentanzeige weg.
- Betriebsrat: Die Einführung technischer Einrichtungen, die Verhalten oder Leistung der Beschäftigten überwachen können, ist nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitbestimmungspflichtig. Bei einem Wechsel zu Microsoft 365 ist das regelmäßig Thema; planen Sie die Abstimmung in den Zeitplan ein. Ein Austausch des WOPI-Clients ändert dagegen nur, womit Dokumente angezeigt werden.
- Informationssicherheit: Wer nach ISO/IEC 27001 oder BSI IT-Grundschutz arbeitet, muss nachweisen, wie technische Schwachstellen behandelt werden. Ein Server ohne Sicherheitsupdates, der jedes geöffnete Dokument verarbeitet, ist in einem Audit schwer zu begründen.
Option 1: Office Online Server ohne Support weiterbetreiben
Am 1. Januar 2027 passiert zunächst nichts: OOS läuft weiter, und SharePoint nutzt es weiter. Nur bleibt jede danach entdeckte Schwachstelle offen, und zwar auf einem Server, der jedes Dokument öffnet, das Ihre Nutzer anklicken. Das lassen die meisten Sicherheitsrichtlinien nicht lange zu, und spätestens im nächsten Audit wird danach gefragt.
Geeignet für: ein paar Monate Zeit, um zu entscheiden. Nicht geeignet für: eine Dauerlösung.
Option 2: Nur noch Office auf dem Desktop
Sie können die OOS-Bindung entfernen und Dokumente in den Desktop-Apps öffnen lassen. Laut Microsoft bleiben Microsoft 365 Apps for Enterprise und Office LTSC 2024 unterstützte Clients für Dokumente auf SharePoint Server SE.
Was wegfällt: die Anzeige im Browser, Vorschauen in Bibliotheken und Suchergebnissen und der Zugriff von Rechnern ohne installiertes Office. Was bleibt: die volle Bearbeitung in den Desktop-Apps.
Geeignet für: kleine Teams, in denen alle Office auf dem Desktop haben. Nicht geeignet für: Kiosk- und gemeinsam genutzte Rechner, externe oder gelegentliche Nutzer und Intranets, in denen vor allem gelesen wird.
Option 3: Wechsel zu SharePoint Online und Microsoft 365
Das ist Microsofts empfohlener Weg. Sie erhalten Office für das Web mit gemeinsamer Bearbeitung, und Microsoft betreibt den Dienst.
Zwei Punkte sollten Sie einplanen. Erstens lässt sich Office für das Web nicht an eine On-Premises-Farm mit SharePoint SE anbinden: Die WOPI-Integration ist Mitgliedern des Cloud Storage Partner Program vorbehalten, nicht Kunden. Diese Option bedeutet also, die Inhalte zu migrieren. Zweitens nennt das SharePoint Migration Tool SharePoint Server 2010 bis 2019 als Quellen, nicht die Subscription Edition. Klären Sie die Migrationswerkzeuge also früh.
Geeignet für: Organisationen, die ohnehin zu Microsoft 365 wechseln und Datenschutz sowie Betriebsrat bereits eingebunden haben. Nicht geeignet für: Inhalte, die On-Premises bleiben müssen.
Option 4: Eine Open-Source-Office-Suite (Collabora Online, ONLYOFFICE Docs)
Beide Produkte laufen auf Ihren eigenen Servern, meist unter Linux oder in Containern, und beide bieten Anzeige und Bearbeitung im Browser.
- Collabora Online wird per Standard-WOPI-Bindung an SharePoint angebunden, also über denselben Mechanismus wie OOS (Integrationsseite). Laut Hersteller deckt die Dokumentation seit Juni 2026 auch SharePoint Subscription Edition ab. Business-Abonnements beginnen bei 3 € pro Nutzer und Monat für bis zu 99 Nutzer, Enterprise auf Anfrage (Abonnements).
- ONLYOFFICE Docs bietet zwei Wege (Hilfecenter): eine WOPI-Bindung, dokumentiert für SharePoint Subscription Edition, und einen Farm-Connector mit mehr Funktionen, der offiziell für SharePoint 2019 gelistet ist. Die Enterprise-Edition wird nach gleichzeitigen Verbindungen lizenziert, Preise auf Anfrage (Editionen).
Keines der beiden Produkte ist von Microsoft zertifiziert; den Support leistet der jeweilige Hersteller. Gerendert wird mit der eigenen Engine der Suite, testen Sie also Ihre eigenen Dokumente.
Geeignet für: Teams, die On-Premises im Browser bearbeiten müssen und Linux-Server betreiben können. Nicht geeignet für: Teams, die außer der Bindung nichts ändern wollen.
Option 5: Ein dedizierter Ersatz für Office Online Server
Ein dedizierter Ersatz tritt hinter derselben WOPI-Bindung an die Stelle von OOS. SharePoint, Ihre Nutzer und Ihre Abläufe bleiben, wie sie sind. Office Render Engine ist ein solcher Ersatz: Es läuft auf Windows Server in Ihrem Netzwerk ohne Verbindung ins Internet, zeigt Word, Excel, PowerPoint und PDF im Browser an und bringt die Vorschau in der SharePoint-Suche zurück. Es ist heute nur zur Anzeige; die Bearbeitung im Browser ist in Entwicklung, noch ohne Termin. Der Preis liegt bei 0,50 € pro SharePoint-Nutzer und Monat, jährlich abgerechnet. Auch andere Anbieter wie Thinkfree bewerben selbst gehostete OOS-Ersatzlösungen; die Unterstützung für SharePoint SE klären Sie am besten direkt mit ihnen.
Geeignet für: On-Premises-Farmen, in denen Dokumente vor allem gelesen werden. Nicht geeignet für: Teams, die heute schon im Browser bearbeiten müssen.
Die Optionen im Vergleich
| Option | Anzeige im Browser | Bearbeitung im Browser | Daten bleiben On-Premises | Integrationsaufwand | Kostenmodell |
|---|---|---|---|---|---|
| OOS ohne Support | Ja | Ja | Ja | Jetzt keiner, Risiko wächst | Bestehende Lizenzen, kein Support |
| Nur Office auf dem Desktop | Nein | In den Desktop-Apps | Ja | Gering: Bindung entfernen | Microsoft 365 Apps oder Office LTSC 2024 |
| SharePoint Online / Microsoft 365 | Ja | Ja, gemeinsam | Nein | Hoch: Migration der Inhalte | Microsoft 365 pro Nutzer |
| Collabora Online | Ja | Ja | Ja | Gering bis mittel: WOPI-Bindung, Linux-Server | Abonnement pro Nutzer |
| ONLYOFFICE Docs | Ja | Ja | Ja | Mittel: WOPI-Bindung oder Farm-Connector | Pro gleichzeitiger Verbindung |
| Office Render Engine | Ja | Noch nicht | Ja | Gering: dieselbe WOPI-Bindung, Windows Server | 0,50 € pro Nutzer und Monat |
Quellen im Text verlinkt. Herstellerangaben wie im Oktober 2026 veröffentlicht.
In einem Nachmittag entscheiden
- Führen Sie auf jeder Farm
Get-SPWOPIBindingaus und notieren Sie die an OOS gebundenen Dateitypen und Zonen. - Fragen Sie Datenschutzbeauftragten und IT-Sicherheit, ob Dokumente Ihr Netzwerk verlassen dürfen, und klären Sie, ob der Betriebsrat beteiligt werden muss.
- Schauen Sie auf die Nutzung: Wie oft wird im Browser bearbeitet, wie oft nur angesehen?
- Nehmen Sie höchstens zwei Optionen in die engere Wahl und testen Sie sie in einer Testfarm oder zusätzlichen Zone mit einer Stichprobe echter Dokumente.
- Prüfen Sie, worin sich die Produkte unterscheiden: Ihr Authentifizierungs-Setup, die Vorschau in der Suche und die Dateitypen, auf die Sie angewiesen sind. Das gilt für jede Drittanbieter-Lösung, auch für unsere.
- Planen Sie den Wechsel vor Dezember, mit einem Rückweg zu OOS, solange es noch unterstützt wird.
Häufige Fragen
Funktioniert Office Online Server ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr? Doch. Microsoft blockiert es nicht, aber es erhält keine Updates mehr, auch keine Sicherheitsupdates, und wird in keiner Konfiguration mehr unterstützt.
Kann ich Office für das Web mit meiner On-Premises-Farm mit SharePoint SE nutzen? Nein. Das bietet Microsoft Kunden nicht an; für die Bearbeitung im Browser mit Microsoft 365 müssen die Inhalte in SharePoint Online liegen.
Gibt es einen Nachfolger von Office Online Server für On-Premises? Nicht von Microsoft. Wer Dokumente im eigenen Rechenzentrum behalten will, setzt auf einen WOPI-Client eines Drittanbieters (Optionen 4 und 5).
Kommt die Vorschau in der SharePoint-Suche mit einem Ersatz zurück? Sie hängt vom WOPI-Client ab. Office Render Engine zeigt sie an; prüfen Sie das bei jedem Produkt im Pilot.
Was brauche ich für den Bindungswechsel? Farm-Administratorrechte, einen DNS-Namen und ein vertrauenswürdiges HTTPS-Zertifikat für den neuen Server sowie einen Test mit einem normalen Benutzerkonto. Unser Leitfaden zum Supportende führt durch die Schritte.